Stadt Krefeld - Kulturbüro

Entomologische Sammlungen

Archiv zur Entomologie am Niederrhein





 

 

Anschrift:
Entomologische Sammlungen Krefeld
Marktstraße 159
47798 Krefeld

Fragen & Termine:
Kuratorische Betreuung: Dr. Martin Sorg
Tel.: 02845 1694
eMail: sorg@biota.de
URL: http://biota.de/sammlung.html

 

   

Entstehung

Entomologische Sammlungen und Archive entstehen ursächlich durch das Studium heimischer Tierarten, ihrer Verbreitung und Lebensweise, ihres Verhaltens und der Wechselbeziehungen zu ihrem belebten oder unbelebten Umfeld. Sie sind das Lebenswerk der auf wissenschaftlicher Basis tätigen Entomologen. In diesen Vergleichssammlungen werden die minutiös präparierten und fachgerecht etikettierten Exemplare aufbewahrt. Der Aufbau solcher Einzelsammlungen fand prinzipiell bei jedem Entomologen statt. Ein Bezugsraum ist hier in der Regel die Region des Niederrheins und im Besonderen die nähere Umgebung der Stadt Krefeld. Neben den eigentlichen Sammlungsbeständen werden von den tätigen Bearbeitern oft Originaldokumente, Gerätschaften, Karteien und Fachliteratur - teils mit handschriftlichen Kommentaren mit übernommen und archiviert.
Der erste Anstoß zur Zusammenfassung und Bewahrung von Sammlungsbeständen verschiedener Bearbeiter fällt in die Gründungszeit des Entomologischen Vereins Krefeld und des ehemaligen Naturwissenschaftlichen Museums Krefeld. Die Übernahme von Sammlungen und begleitenden Materialien erfolgte i.d.R. als Schenkung oder testamentarisches Vermächtnis der Mitglieder des Vereins an die Stadt Krefeld mit Auflagen über die fachgerechte Bewahrung in Krefeld, die Zugänglichkeit und weitere Bearbeitungsmöglichkeit durch die hier ansässigen Entomologen.


Funktion

Präparate von Insekten und anderen Arthropoden werden im Regelfall als Trockenpräparate hergestellt und sind bei fachgerechter Betreuung und optimaler Aufbewahrung nahezu unbegrenzt haltbar. Daneben werden auch in Alkohol konservierte Präparate geführt, um fragilere Teile, Innenstrukturen oder z.B. Entwicklungsstadien für die Zukunft zu erhalten.

Die Betreuung der umfangreichen Sammlungsbestände in Krefeld erfolgt traditionell über das Engagement von Mitgliedern des Entomologischen Vereins Krefeld.
Hierbei handelte es sich um folgende, qualifizierte Mitglieder des Entomologischen Vereins Krefeld:
Vor dem Zweiten Weltkrieg bis 1943: Ernst Puhlmann (1864-1959)
Von 1943 bis 1958: Bruno Maixner (1902-1999)
Von 1958 bis 1987: Dr. Siegfried Cymorek (1927-1987)
Seit 1987: Dr. Martin Sorg.

Die Zuständigkeit der o.g. von den Aufgaben her als Kuratoren fungierenden Personen erfolgt über Verträge mit dem Kulturbüro (Kulturamt) Krefeld. In der derzeitigen Regelung - der letzten Jahrzehnte - existiert ein Minimaletat als Aufwandsentschädigung und zur Deckung diverser, laufender Kosten (Präparationsmittel, Büromaterial, Konservierungsstoffe, Porto etc.).

Der Leih- und Besucherverkehr zu diesen Sammlungen ist national ebenso wie international. Jährlich werden zahlreiche Leihsendungen zu Vergleichsexemplaren abgewickelt die überwiegend Entomologen, Museen, Universitäten und Forschunbgseinrichtungen in Europa betreffen.
Die weit überwiegende Zahl der Anfragen bezieht sich auf Fachauskünfte zur Entomologie, ferner „Probleme der Artbestimmung“ und der Interpretation von Sachverhalten in der Spannbreite von „Schadinsekten“ bis hin zu Natur- und Artenschutzfragen.
Besucher möchten i.d.R. einen größeren Bestand einsehen, in den Sammlungen ihre Bearbeitungen vornehmen oder eine Vorauswahl für spätere Arbeitsvorhaben treffen. Es handelt sich im Regelfall um systematische Arbeitsthemen. Regelmäßig werden Teile der Sammlungen überarbeitet. Die Sammlungsbestände werden - wie in der musealen Pflege üblich - regelmäßig kontrolliert und ggf. behandelt, um einem Schädlingsbefall vorzubeugen.


Bedeutung

Die Sammlungen sowie diese begleitende Originalaufzeichnungen stellen das entomologische Lebenswerk der jeweiligen Personen dar. Sie sind die maßgeblichen Quellen für jede weiterführende Bearbeitung in nahezu jeder denkbaren Fragestellung. Insofern handelt es sich um unschätzbare und unersetzbare Güter hinsichtlich ihres wissenschaftlichen wie kulturhistorischen Wertes. Alle heutigen und künftigen Arbeiten verwenden diese Originale als Datenbasis, als Fundament, um von hieraus in der Erkenntnis zu irgendeinem, diese Tierarten betreffenden Thema einen Schritt weiter zu kommen.
Die Sammlungen enthalten u.a. zahlreiche “Holotypen”. Diese sind die entscheidenden Belegstücke bei der Beschreibung neuer Tierarten. Fachwissenschaftler aus aller Welt müssen diese Präparate als erforderliches Vergleichsmaterial für jede weitere systematische Bearbeitung einsehen.
Präzise etikettierte Präparate erlauben heute und künftig einen Einblick in die ehemaligen Verbreitungsmuster, die Morphologie der Arten, die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften, die Abhängigkeit von Pflanzenarten und Biotopen, das Auftreten von Kalamitäten und die “Neueinbürgerung” zugewanderter Arten. Für alle Fragestellungen der speziellen wie angewandten Entomologie sind auf wissenschaftlicher Basis geführte Sammlungen quasi “lebende Systeme” in denen über die weitere Bearbeitung durch vorschriftsmäßige Etiketten und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ständig neue “Spuren” hinterlassen - und damit auch der Informationsinhalt der Sammlung - aktualisiert und erweitert wird. Über Inhalte der entomologischen Sammlungen in Krefeld ist bereits in vielen Hunderten von Veröffentlichungen Bezug genommen worden. Zu einen Teil der Sammlungen wurde eigens eine Typenliste veröffentlicht.

Entomologische Sammlungen sind in den kulturhistorischen Werten vergleichbar zu Bibliotheken die nur handschriftliche Originale beinhalten. Im Unterschied zu diesen können allerdings die Originale der entomologischen Sammlungen nicht in ihrem Informationsgehalt “reproduziert” werden - sie sind dreidimensional und besitzen feinste - nicht nur äußerliche Strukturmerkmale. Dies wird auch in absehbarer Zukunft so sein, so daß auch künftig ständig auf die Originalpräparate zurückgegriffen werden muß. Diese müssen, um wissenschaftliche Fortschritte zu ermöglichen erhalten und verfügbar gemacht werden.
Die Bedeutung der Sammlungen mit ihren vielfältigen Präparaten und ihrem Artenreichtum ist in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen und es ist absehbar, daß diese Tendenz anhält. Ursachen hierfür sind mehrere neue, aufblühende Wissenschaftszweige. Hierzu zählt die Biodiversitätsforschung und die Pflanzen- und Materialschutzforschung u.a. im Bereich des Einsatzes natürlicher Gegenspieler (Parasiten) von Schadinsekten. Ferner die Bioindikation, bei der bekannte - oder noch unbekannte - Arten als “Meßsysteme” eingesetzt werden. Nicht zuletzt die Bionik, d.h. die Ableitung neuer technischer Verfahren aus den “Bauanleitungen” von Arten aus der Natur sowie die pharmazeutische Naturstoffforschung. Darüber hinaus werden “Rückgriffe” auf das Artenrepertoire zwischenzeitlich ausgestorbener Formen und immer seltener gewordener Lebensgemeinschaften in zunehmendem Maße erforderlich sein. Bereits jetzt enthalten die Sammlungen Hunderte von Belegexemplaren lokal, innerhalb der letzten Jahrzehnte ausgestorbener Arten.


Aktuelle Situation und Perspektiven

In der Zeitspanne 1987 - 2005 wurden durch Vermächtnis weitere Insektensammlungen in diesen Bestand eingegliedert, darunter z.B. die Vergleichssammlung von Dr. Siegfried Cymorek sowie die Sammlung Bruno Maixner. Darüber hinaus bestehen weitere Vermächtnisse noch lebender Entomologen (z.B. Rolf Odendahl) und auch Vereinbarungen mit dem Entomologischen Verein Krefeld über den Verbleib von Materialien die sich derzeit noch im Besitz dieses Vereins befinden und gleichfalls aus mehreren Vermächtnissen stammen. Auch hierbei handelt es sich sowohl um alte Präparate (> 50 Jahre), als auch um jüngere Belege.

Hinsichtlich der Handhabung bestehen die Sammlungen aus vielen hundertausenden von Trockenpräparaten in Kästen, ferner als Alkoholpräparate (Glasröhrchen und PE-Flaschen). Eine zusammenfassende Aufstellung getrennt nach Sammlungsteilen und Präparatetypen hat den Umfang eines kleinen Buches.

Aufgrund der seit längeren Zeiträumen zu beengten Raumsituation im Brempter Hof erfolgte ein Umzug in ein ehemaliges Schulgebäude (Marktstraße 159) in Krefeld. Den Erfordernissen der fachgerechten Unterbringung der Sammlungen in angemessen großen Räumlichkeiten wurde hiermit Rechnung getragen.
Eine solcher Umzug und die damit einhergehende Herrichtung der Räumlichkeiten wäre ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer des Entomologischen Vereins Krefeld nicht darstellbar gewesen. Dies gilt auch für zahlreiche Dauerleihgaben in Form von technischen Geräten, Mobiliar, Insektenkästen und Schränke, verschiedenste Ausstellungsexponate etc., welche von Seiten des Vereins und einzelner Mitglieder kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

In der jetzigen Situation bieten sich zudem Möglichkeiten, ausgewählte Teile des Archives in Form von Ausstellungen im Flurbereich sowie einem Mehrzweckraum zu installieren. Ferner wird der Mehrzweckraum künftig auch für Fortbildungszwecke verwendet. Nutzungsziele sind hierbei spezialisierte Seminare und Praktika zur allgemeinen und angewandten Entomologie sowie Kursangebote für Schulen zur praxisnahen Bereicherung des Biologieunterrichtes. Hierbei wird der unschätzbare Vorteil verfügbarer, umfassender Beleg- und Vergleichssammlungen sinnvoll für diese zusätzlichen Zwecke eingesetzt.

 

Copyright © 2000  http://biota.de;  Stand:  20.08.2005